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Der Zug hielt mitten auf der Strecke an! Der Grund dafür wurde erst später klar

von Günther Berg

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Was haben ein Znüni auf dem Perron und das hochkomplexe Eisenbahnsignalsystem gemeinsam? Im Normalfall gar nichts. Doch ein Vorfall, der sich vor einigen Jahren auf einer Schweizer Regionalstrecke ereignete, bewies das Gegenteil. Ein ganz normaler Dienstag verwandelte sich für die Fahrdienstleiter in einen Albtraum und für die Lokführer in eine Fundgrube für Anekdoten – und das wegen eines ebenso amüsanten wie kostspieligen Zufalls. Die gestressten Pendler, die in die Arbeit eilten, ahnten nicht, dass die Ursache für diesen riesigen Eisenbahnstau weder eine Panne noch Schneefall war, sondern der unwiderstehliche Drang eines Menschen, Vögel zu füttern.

Alles begann auf einem kleinen Perron irgendwo im Kanton Bern oder Waadt. Eine ältere Dame, die auf ihren verspäteten Regionalzug (RER oder S-Bahn der SBB) wartete, beschloss, den Tauben eine Freude zu machen. Mit einer grosszügigen Geste leerte sie eine ganze Tüte Popcorn direkt auf die Schienen. Das Schauspiel war idyllisch: Ein Schwarm Vögel wirbelte über den Gleisen und pickte den Snack. Aber keiner der anwesenden Fahrgäste bemerkte, dass eine glänzende, noch mit öligem Zuckerguss überzogene Kugel genau auf einen Gleisstromkreis fiel – jene Stelle, wo normalerweise der Strom fliesst, um die Belegung der Gleise zu erkennen. In diesem Augenblick verwandelte sich der trockene Snack in einen perfekten elektrischen Isolator.

Der Lokführer eines nahenden Schnellzugs sah plötzlich auf seinem Armaturenbrett ein rotes Signal aufleuchten: «Gleis besetzt». Das Sicherheitssystem (ETCS / Zugsicherung) hatte ein Geisterhindernis entdeckt. Obwohl die Schienen mit blossem Auge völlig leer aussahen, verlangte die Automatik eine Notbremsung. Der Zug hielt etwa hundert Meter vor dem Perron. Im Betriebszentrum der SBB in Olten kratzten sich die Disponenten verwundert am Kopf: Die Sensoren zeigten hartnäckig an, dass sich ein unsichtbarer Zug auf dem Gleis befand.

Es dauerte fast zwei Stunden, das Rätsel zu lösen. Das zur Stelle geeilte Elektrikerteam überprüfte Relais, Kontakte und Kabel – alles war in Ordnung. Da erinnerte sich einer der SBB-Mitarbeiter an alte Geschichten über die sogenannte «Mais-Katastrophe» und schlug vor, das Gleis manuell zu inspizieren. Stellen Sie sich sein Staunen vor, als er direkt auf dem stromführenden Gleisstromkreis eine Handvoll Popcorn entdeckte, das vom Morgen-Tau durchweicht war. Das Korn hatte gerade so viel Kontakt hergestellt, um die Sensoren zu täuschen, ohne jedoch einen Kurzschluss zu verursachen.

Der Vorfall endete mit schallendem Gelächter im Lokdepot (zum Beispiel in Biel oder Zürich) und der Hinzufügung einer neuen, ungeschriebenen Regel. Fortan gilt in den Instruktionen für die Lokführer der SBB stillschweigend: Man darf Signale nicht ignorieren, selbst wenn «das Hindernis wie ein Zvieri aussieht». Was die Hauptperson betrifft – die Dame, die ihren Zug nie kommen sah – sie nahm schliesslich ein Taxi (oder wurde von einem Nachbarn mit «Helvetia»-Aufkleber auf dem Auto mitgenommen) und hinterliess eine Legende. Seitdem scherzen die Eisenbahner in der Schweiz: «Wenn ein Zug ohne ersichtlichen Grund stehen bleibt, sucht nicht nach einer Panne – haltet lieber nach einem hungrigen Vogel Ausschau.»

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